Quo vadis, Steine im Westen?

Eine Replik auf berechtigte Fragen

Kreuzung CC-by-nc 3.0 Jessica Koch

Eine Entscheidungsgeschichte zu produzieren, während gleichzeitig die Leserschaft live abstimmt, in welche Richtung es vorrangig weitergehen soll, kann doch gar nichts werden. Wie sollte jemand so schnell schreiben, dass man nicht nach jedem Kapitel ewig warten muss? Wie sollte man genügend Auswahlmöglichkeiten anbieten können, damit es nicht langweilig wird? Oder die 1000 Optionen überblicken?

Das sind Einwände, die vor allem von Autoren angebracht werden und die der Grund sind, wieso bisher keiner eine echte Entscheidungsgeschichte geschrieben hat (vgl. Your Choices DON’T Matter!).

Doch die Prämisse, die Steine im Westen hier zugute kommt, ist, dass es anders als bei einem Buch eben kein bestimmtes Ende gibt, das man erreichen muss und Text technisch recht wenig Aufwand macht. Schreiben nach Bedarf und Nachfrage ist sicher besser als Schreiben auf Risiko (400-Seiten-Roman, den keiner lesen will) und sicherlich leichter als 3D-Animationen für ein Computerspiel, aber wieviel Arbeit ist es wirklich? Wie gut ist Text, der nach Zeitplan und unter Druck entsteht? Wo sind da Schwächen und welche?

Dass wir etwas größenwahnsinnig sind, haben wir ja nie verheimlicht, das muss man bei Neuem auch sein, aber wir sind auch nicht naiv: Wir schreiben keinen Roman, kein einzelnes Buch mit einem Anfang und einem Ende. Wir wollen die Geschichten einer ganzen Welt erzählen. Das ist nicht einfach nur Text, das ist verdammt viel Text.

Die Vorbereitungen dazu haben wir schon beschrieben: Wir erschaffen zuerst die Welt. Da haben wir inzwischen ein Setting mit einer fast 2000-jährigen Geschichte. Das könnte man ewig fortführen, aber irgendwo muss man auch den Absprung schaffen und anfangen zu schreiben. Richtig zu schreiben, zu erzählen.

Nur die wenigsten Autoren fangen aber vorne an. Der erste Satz ist so wichtig, dass man ihn immer und immer wieder überarbeitet. Das können wir nicht, weil wir die Veröffentlichung brauchen, um fortfahren zu können. Und so landet man wirklich bei der Frage: Wie wollt ihr genügend Text schaffen?

Durch die richtige Motivation!

Der November steht vor der Tür, da werden die Romane reif, traditionell beim NaNoWriMo, der perfekten Spielwiese, um Text zu produzieren. Wir machen uns also Druck und schauen, wo unsere Grenzen liegen. In dieser Zeit werden wir soviel Text wie möglich produzieren. Da wir alle noch nicht Vollzeit und bezahlt für das Projekt schreiben, wird dieser Wert kein Maximum sein, sondern ein brauchbarer Mittelwert für die Textmenge. Die Qualität wird anders aussehen, uns aber helfen, den Nachbearbeitungsaufwand einzuschätzen. Alles in allem wird das Ergebnis, das wir erreicht haben werden, also nicht geschönt sein, sondern realistisch, so dass wir besser abschätzen können werden, was mengenmäßig machbar ist.

Wer unseren Kraftakt live mitverfolgen möchte, kann das gerne anhand unserer Werkstattberichte oder auch persönlich im Essener Unperfekthaus tun, wo wir regelmäßig anzutreffen sind. Wir freuen uns jederzeit über Feedback!

Der Schreibmarathon dient uns allerdings nicht nur zum Ausloten der Output-Grenzen, sondern auch dazu, unsere Figuren erst einmal unverbindlich kennenzulernen. Dazu streuen wir unsere Texte über möglichst viele Charaktere und hauchen ihnen Leben ein, das über die reinen Daten ihrer Biographie hinausgeht. Dass wir die Figuren erst kennenlernen, heißt aber eben auch, dass nicht alles, was wir uns hier ausdenken, für unsere erste längere Hauptgeschichte „wahr“ sein muss. Im Grunde könnte man sagen, wir schreiben Fanfiction zu einem ungeschriebenen Original.

Wenn das so entstandene Textgerüst formal korrigiert ist, wird es im Dezember zur Grundlage der ersten (noch geschlossenen) Demo-Geschichte unserer Welt-Bibliothek. Aber das ist dann Technik und ein anderes Thema.

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  1. #NaNoWriMo: Mein Projekt „Die Jagd nach dem Artefakt“ | Dahlia schreibt

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