Arbeiten an der laufenden Maschine

Eine Replik auf berechtigte Fragen Teil 2

Testlauf Testlauf – CC0 1.0 – bearbeitet

Wie hast Du Dir den Lesepfad vorgestellt? Wie sollen die Lesezeichen funktionieren? Und wenn eine Geschichte zu zwei Themen gehört? Und wenn der Leser sich etwas markieren möchte? Wenn Textknoten noch nicht fertig sind und ich dann woanders weiterlesen will, wie komme ich dann zu meiner eigentlich bevorzugten Entscheidung zurück?

Wir sind von unserer Idee wirklich überzeugt, aber die exakten Lösungen, das genaue Verhalten eines Nutzers kann man nicht simulieren, vor allem nicht mit Lorem-Ipsum-Füllern. Um wirklich zu testen und richtig zu entwickeln, brauchen wir realen Text, der gelesen werden kann. Aber gleichzeitig ist so viel zu tun, gibt es so viele verschiedene Baustellen, wie produziert man da gleichzeitig eine Textmenge, die technisch testtauglich ist und deren Herstellung nicht alles andere blockiert? Tja, man nimmt Fanfiction, oder professioneller ausgedrückt, man nimmt Recherche- und Ausarbeitungsmaterial der Autoren. Und da dieser übliche Ausschuss eines Romans noch nicht vorhanden ist, schreibt man ihn eben ad hoc.

Die Ergebnisse des NaNoWriMo sind nicht veröffentlichungstauglich, das sagen selbst die Veranstalter. Einen Roman zu veröffentlichen, ist auch nicht der Sinn. Es ist eine Motivationsveranstaltung, die einen dazu bringen soll, einen Roman zu schreiben. Das ist uns bewusst, und genau so nutzen wir die Aktion auch. Sie soll uns im ersten Schritt helfen, endlich loszuschreiben und Text zu produzieren. Aber unser Konzept sagt auch, dass wir live schreiben, echte Interaktion schaffen wollen. Der Leser soll uns beim Tippen zuschauen, wie er es auch im NaNo bei so vielen Autoren tun kann. So ergeben sich für Steine im Westen drei experimentelle Phasen:

1. Arbeitsphase: Wie macht man das Schreiben an sich und sich als Autor sichtbar? Welche Mittel kann man da einsetzen, und müssen diese von der Webplattform unterstützt werden? Welche Vernetzungskonzepte und Entscheidungsmöglichkeiten ergeben sich für verschiedene Konstruktionen der narrativen Netzwerke?

Wir wollen zwei Konstrukte ausprobieren: einmal ein ungerichtetes Netzwerk aus Kurztexten und einmal eine geordnete Narration mit Entscheidungsoptionen. Welche Ansprüche dies an die Technik stellt und wie sich die Leser in diesen Netzen bewegen, wird entscheiden, wie wir unsere Entwicklung fortsetzen.

2. Korrektur und Update: Wir laden die Texte unbeschönigt online, werden sie also nicht überarbeiten oder stilistisch optimieren, aber natürlich müssen sie gut lesbar sein. Dafür ist eine formale Richtigkeit notwendig. Dieses Korrektorat wird als Platzhalter für ein richtiges Lektorat verwendet und vervollständigt so den Bearbeitungsprozess, der uns helfen soll, die Upload- und Update-Funktionen des Systems auch für andere Inhaltslieferanten zu optimieren.

3. Literaturdiskurs und Kritik: Ein Text will diskutiert werden, es braucht Rezensionen und Kritik. Diese Diskussion wollen wir nicht im System selbst stattfinden lassen, das können andere Plattformen besser, aber diese Interaktion will ebenfalls getestet und entwickelt werden, und wie ginge das besser als durch Texte, die der Kritik wirklich würdig sind? Wir werden selbst über diese Texte geradezu herziehen müssen, und das wird hoffentlich einen allgemeinen Diskurs starten, auf das wir schauen können, wie unsere „Teilen“-Funktionen mit Twitter, Facebook, Blog-Software und anderen Dingen interagieren.

Bei all diesen Tests ist die Qualität des Textes erst einmal nicht wichtig. Es geht nur darum, dass der Text exklusiv ist. Oder anders gesagt: Die unumgänglichen Schwächen, die er durch seine Entstehung haben wird, sind sogar von Vorteil, weil sie die Tester provozieren. Sie fordern Interaktion heraus ohne die Möglichkeit, auf ein „Dislike“ oder ein Sternchen zu klicken. Man will sagen, wie schlecht der Text ist, aber man muss es im ganzen Satz tun: Das ist Feedback! Das ist Resonanz, Resonanz, die wir verwenden können, um das System und das Projekt zu verbessern.

Und die „negative Presse“? Tja, die kann uns egal sein. Sie kritisiert ja nicht das Hauptprodukt, und selbst, wenn wir daraus lernen, dass Steine im Westen nicht das Richtige ist, dann haben wir als Team gelernt und starten im November 2016 die nächste Welt und die nächste Narration und versuchen es anders.

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