Wenn man das Suchen einfach weglässt

5 von 5.000.000 – Die Sache mit der Auswahl. 5 von 5.000.000 – Die Sache mit der Auswahl.

Das Suchen war ein großes Thema. Sehr ausführlich verarbeitet von Büchergefahr und auch mich ließ es nicht los.

Wie findet man in den Unmengen an digitalen Inhalte im Internet etwas zum lesen? Naja, die Antwort ist: Man findet es einfach!

Wir gehen auf Facebook, folgen einem Link zu einem Artikel der auf einen Tweet verweist der uns zum nächsten Tweet bringt und von dort zu einem Magazin, dessen Autor bloggt und wieder auf einen Artikel verweist.

Wir hangeln uns halt durch. Immer wieder von personalisierten Sammelstellen wie Facebook und Twitter angetrieben. Im Internet sucht man sich nichts aus, man liest einfach drauf los. Das liegt daran, weil Text im Internet unmittelbar zur Verfügung steht, granuliert und kostenlos ist und es daher nicht so schlimm ist, wenn wir auch mal was mittelprächtiges lesen. Das Ergebnis ist, das uns das Internet nicht nur über den Tellerrand schauen lässt, es sorgt dafür dass wir ständig über den Tellerrand schwappen, weil unser Lesen erfüllt ist von Spontanität und einem guten Stück Willkür.

Bei Büchern, die uns zig Stunden beschäftigen sollen und im Schnitt um die 16 € kosten entscheiden wir vor dem Lesen, im Internet lesen wir einfach und entscheiden erst dann, ob es uns gefallen hat.

Leseansicht: Einfach nur lesen.

Leseansicht: Einfach nur lesen.

Und genau so funktioniert auch Dembelo.

Die bei Dembelo eingespielten Texte sind nur 100 bis 3500 Wörter lang und zu großen Kontexten vernetzt. Es gibt keine Suchfunktion, keine Übersicht und keinen Katalog. Ein Leser bekommt einfach irgendeinen für den Einstieg geeigneten Text vorgesetzt, er kann diesen lesen und seine Meinung in die Entscheidung, wo er weiterlesen möchte, einfließen lassen, oder er kann den Text ablehnen und bekommt einen anderen, den er sich genauso wenig aussuchen kann. Beide Möglichkeiten sorgen dafür, dass wir in erster Linie lesen und der Suchprozess im Hintergrund abläuft.

Startseite: Mehr als acht Optionen können wir nicht überblicken.

Startseite: Mehr als acht Optionen können wir nicht überblicken.

Der Mensch kann sich einfach nicht zwischen beliebig vielen Optionen entscheiden, eigentlich kann er sich gerade einmal sieben Dinge merken, da ist es doch zwecklos ihm mehr anzubieten. Dembelo tut es trotzdem, weil es eben digital ist und in der Digitalität regiert die Acht. Die Startseite bietet dem Lesewilligen genau acht Themenfelder, damit man in die grob richtige Richtung losläuft am Ende des Textes kommen maximal acht Optionen, um weiter zu gehen. Mehr braucht kein Mensch, auch wenn er es sich nicht eingesteht.

Indem man die Optionen technisch einschränkt verleiht man der Entscheidung Bedeutung. Der Leser weiß wieso er welche Entscheidung getroffen hat, kann sie reflektieren, bestätigen oder revidieren und das ganz bewusst. Einschränkungen stärken den Fokus, daher funktioniert Twitter nur, weil es auf 140 Zeichen beharrt, daher ist beme so reizvoll. Wenn wir eine Sache aus Überzeugung tun, ist es doch egal, was wir sonst noch hätten tun können. Wenn wir einen Text haben den wir wirklich gerne lesen, ist es egal, wie viele Texte es sonst noch gibt.

Um menschlich zu wachsen, unseren Geist und Horizont zu erweitern, laufen wir doch auch einfach los, wandern auf Pilgerpfaden, fahren durch unberührte Natur, nehmen jeden Baum, jeden Stein und jede Mücke in der Reihenfolge hin in der sie uns nun mal begegnen und fangen nicht immer wieder von vorne an, sondern gehen an jeder Kreuzung mit mehr Erfahrungen weiter. Literatur sollte genauso funktionieren. Es ist nicht möglich sich eine Lebenserfahrung gezielt auszusuchen, man kann sich ihr nur nähern, indem man seinen Weg bewusst beschreitet, von ihm lernt und ihn gezielt fortsetzt.

Literatur sollte eine ewige Wanderung sein und kein ständiger Reboot.

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