Von Fanfiction zu moderner Digitalliteratur – Der Auslöser

Tina Giesler beim 10. Pub'n'Pub Pott - Fanfiction, die native Digitalliteratur Tina Giesler beim 10. Pub'n'Pub Pott - Fanfiction, die native Digitalliteratur

Die eBook-Branche experimentiert. Mit Singles, mit Serien, mit Versionen. Doch kaum einer schaut sich die literarischen Formen an, die das Internet selbst hervorgebracht hat.

Das Internet ist ein aktiver literarischer Raum, der eigene Formen und Regeln entwickelt und eigene Funktionsweisen. Das Desinteresse an diesem User Generated Wildwuchs wird damit begründet, dass er qualitativ schlecht ist und nicht wirtschaftlich nutzbar. Trotzdem kann man aber davon lernen, wie Text in einem vernetzten Umfeld funktioniert, zu welchen Mitteln gegriffen wird, damit Inhalte nicht untergehen und was von den Lesern als echter Mehrwert empfunden wird.

Aus diesen Überlegungen entwickelte ich einen kleinen Vortrag, der zu einem langen Monolog auf dem 10. Pub’n’Pub Pott wurde. Sehr schön auf den Punkt gebracht durch von digitur.de in dem Artikel „Vernetztes Lesen = digitales Lesen = Fanfiction„.

Doch mit der Idee diesen Vortrag zu halten, hat alles erst begonnen, den eigentlich sieht die Reihe anders aus:

Fanfiction = vernetztes Lesen = digitales Lesen

Die Fanfiction ist nur der Anfang. Sie ist User Generated Content und daher in der Qualität und Ausrichtung sehr unstet. Ihr fehlt eine redaktionelle Prägung und Beständigkeit, auch eine rechtliche Grundlage, die über eine Duldung hinausgeht wäre gut. Doch was man an Fanfiction gut beobachten kann, ist der Reiz von vernetzten Kurzformen in einem großen Gesamtinhalt.

Ja, Leser wollen ständig neuen Lesestoff, aber sie wollen nicht ständig neue Themen. Das merkt man an den immer größer werdenden Einheiten in allen Unterhaltungsmedien: Warrior Cats wird in Staffeln rausgebracht, G. R. R. Martin befürchtet sein Lied von Eis und Feuer zu seinen Lebzeiten nicht mehr beenden zu können. Bei TV-Serien gehen Formate in die 12 oder gar 15 Staffel. Bei Filmen und Computerspielen ist es ein Ritterschlag ein Sequel zu bekommen, also in neuen Teilen fortgesetzt zu werden.

Fanfiction zeigt wie diese Erweiterung des Inhalts auf digitaler, vernetzter Ebene funktioniert, die Frage ist nun, welche Prozesse für eine Nutzung durch die Medienbranche relevant sind und wie sie auf eine kommerzielle Ebene transferiert werden müssen.

Einen ersten Ausblick auf die für diese Übertragung nötigen Gedanken liefert Burkhard Asmuth in seinem Artikel „Klassisches Lesen vs. Digitales Lesen“ der ebenfalls auf dem 10. Pub’n’Pub aus dem Unperfekthaus in Essen basiert.

Ich lösche diesen letzten Absatz nun schon zum zehnten mal, den natürlich bin ich mit meinen Überlegungen schon weiter, ich weiß, wie man die Inhalte durch eine freie Nutzungslizenz mobilisieren kann und trotzdem ein stabiles Monetarisierungsmodell umsetzen, ich weiß wie man Hürden beim Zugang ausräumen kann und woher man geeignete Inhalte beziehen könnte. Doch zuerst fahre ich in Urlaub und lasse euch etwas grübeln und die neuen Ideen etwas sacken, bevor ich ab dem 20.07. mit einem Experiment zu neuen Theorien beginne.

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*