Neuer Kurs für eInk-Reader und Co

Friedlich schlafender eReader. Friedlich schlafender eReader.

Es treffen sich drei eBook-Hersteller, sagt der eine: „Wir haben doch seit 3 Jahren den EPUB3 Standard.“
Alle lachen.

Gestern Abend trafen sich bei Twitter tatsächlich drei eBook-Hersteller, Tobias Fischer von pagina, der Digital Publishing Experte Fabian Kern und ich, kleines Licht, das die Freude hatte, eine Diskussion über die Render-Engines von eInk-Geräten loszutreten, weil sich herausstellte, dass der Tolino mit epubs die mehr als 300 Dateien enthalten überfordert ist. Bei diesem Problem kam mir Gerald Wechsler von Tolino Media zur Hilfe, an dieser Stelle noch mal besten Dank!

Aber die Sache mit den Engines und der Darstellung von epubs auf Readern ist ein allgemeines Problem. Wie durchaus auch die gestrige Diskussion zeigte, besteht der eBook-Sektor aus verschiedenen Parteien, die nicht ausreichend miteinander reden und daher statt gemeinsam, gegeneinander arbeiten.

Es ist doch einfach nur traurig, dass man Aussagen wie dieser nur sprachlos zustimmen kann:

Fabian Kern@fabian_kern – Do. 11.06.15
Oder wenigstens (wie bei Browsern) die Default-Stylesheets offen legen. dann weiss man wenigstens, „gegen“ was man arbeitet, beim CSS bauen

Wieso eigentlich „gegen“? Es ist Fakt, dass etwa ein Drittel der CSS-Datei die ich in meine eBooks einbinde dazu dient, Gestaltungsvorschriften der Reader zu umgehen, ein weiteres Drittel geht damit drauf, meine Gestaltung so zu codieren, dass sie auch in der Amazon-Vorschau korrekt angezeigt wird und erst im letzten Drittel befindet sich das, was wirklich relevant ist. Das ist traurig und zwar nur, weil ich es nicht bescheuert nennen möchte.

Aber ich verstehe die Hersteller der eReader schon, sie konkurrieren mit anderen eReadern und versuchen durch Funktionalitäten einen Marktvorsprung zu gewinnen. Für diese Alleinstellungsmerkmale haben sie jedoch nur die Darstellungsoptionen zur Verfügung. Edit: Wodurch sie zwangsläufig im Revier der Verlege und Hersteller wildern. Wobei die aber auch nichts unternehmen, um dieses Revier mal zu markieren.

Und so kommt es, dass sich die unabhängigen eReader-Hersteller, die eBook-Macher, Shops und Verlage untereinander käbbeln und sich gegenseitig Steine in den Weg legen, während US-Unternehmen wie Amazon, Apple und Adobe schallend lachend an uns vorbei ziehen. Dabei könnte es so einfach sein.

Tobias Fischer@tobias_fischer – Do. 11.06.15
eReader sollten einfach *richtig gute* HTML/CSS(/EPUB-)Renderer sein. Und gut ist!

Genau liebe eReader-Macher, lasst uns, eBook-Hersteller, doch auch etwas tun! Es gibt inzwischen wirklich gute Leute in diesem Bereich, die Sachen wie Schriftarteneinbindung, Silbentrennung und Textsatz super drauf haben! Das einzige was ihr tun müsst, ist uns zu sagen welches Format die Schriftartendatei haben soll, wie groß sie sein darf, wo sie liegen soll, welches Trennzeichen, in welcher Codierung wir verwenden sollen – Silbentrennung können wir nämlich besser, weil wir wissen in welchen Sprachen unsere Bücher sind – und welchen Elementen wir Abstände geben dürfen. Gebt uns eine Handhabe für Umbruchanweisungen, damit Bilder nicht von ihren Bildunterschriften getrennt werden und Kapitel nicht zwingend neue Dateien sein müssen und unterstützt um Gottes Willen endlich EPUB3, dann machen wir die schönsten eBooks und die Verlage werden sich hinter eure Technik stellen. Denn der überzeugte Zuspruch der Verlage und wirklich schöne und billige eBooks, werden mehr Anzeigegeräte verkaufen, also jede halbgare Spielerei die ihr euch ausdenken könnt.

2 Comments on Neuer Kurs für eInk-Reader und Co

  1. Tina Giesler // 21. Juni 2015 um 22:26 //

    Ich programmiere doch nicht gegen den Standard und auch nicht direkt gegen die Implementierung! Eigentlich programmiere ich gar nicht. Hier geht es um Gestaltung, also um das optisch relevante verhalten des Textes auf einem Reader. Das ist nicht standardisiert und soll es auch nicht werden. Der Konflikt entsteht dadurch, dass die Gräte versuchen alle Bücher maximal gut darzustellen, ohne zu bedenken, dass Bücher maximal individuell sein können. Ich erleben den Fehler seit 10 Jahren: „Oh, Titelseiten sind einfach, da tuen wir eine Variable für Autor, eine für Titel und eine für den Verlag drauf“ – „Und was ist wenn es zwei Autoren gibt? Oder einen Herausgeber? Oder einen Autor und einen Herausgeber? Untertitel? Textgattungsangabe? Übersetzer? Illustrator? Vorwortautor? …“
    Der Gedanke war nicht schlecht, nur nicht umsetzbar.

  2. Soll das also heißen, dass die Autorin lieber gegen Implementierungen programmieren möchte statt gegen den Standard? Nein, stattdessen sollte von den Geräte-Herstellern eine frei lizenzierte, standardkonforme Rendering-Engine verbaut werden, statt jeweils eigene Süppchen zu kochen, davon hätten dann alle was. Wie weit ist eigentlich Readium, was das angeht?

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