Angst vor dem großen Fisch

Da sitzt man als kleiner Handwerker vor seinem Rechner, schmiedet Pläne, sammelt mühsam Informationen und KnowHow, werkelt an Dokumenten, die es einfach verdient haben besser gemacht zu werden und dann liest man Artikel wie „Störer in den eigenen Reihen“ auf buchreport.de und kommt sich plötzlich ganz klein und machtlos vor.

Fast möchte man rufen, wenn es schon so ist, dann schreibt wenigstens nicht drüber, das deprimiert! Aber das ist natürlich Blödsinn, nicht darüber zu sprechen macht die Sache nicht besser. Aber dieser Artikel beleuchtet ein Phänomen, das mich schon seit längerem verfolgt von einer neuen Seite. Ich bin 2009 in die Branche eingestiegen und zwar mitten rein in das Thema Konvertierung und digitale Herstellung und in meinem jugendlichen Übermut sprudelte ich über von Ideen und Techniken, die man hierfür verwenden könnte. Doch immer wieder standen da ältere, erfahrenere Leute die abwinkten und auf Größere verwiesen, die das was ich kleines Licht mir überlegt habe, schon längst auf der Agenda hatten.

Heute haben wir 2013, vier Jahre später, auf wirklich neues bin ich nicht gekommen, habe nur dazugelernt, Schwierigkeiten erkannt und kleine Babyschrittchen in meine Richtung gemacht. Ständig mit der Angst aus dem Rennen zu fliegen, weil jemand anders schneller ist als ich. Ständig mit dem Problem konfrontiert keine Mitstreiter zu finden, weil man ja nur eine kleine Hausfrau mit einem Rechner im Wohnzimmer ist. Es waren stressige vier Jahre, in denen man andauernd entmutigt war, weil da wieder ein Artikel und eine Produktankündigung den Durchbruch versprach und man befürchtete von der Druckwelle dieser Entwicklung hinweggerissen zu werden.

Doch ich bin immer noch da? Finde immer wieder Kunden, finde in den Produkten anderer immer wieder Fehler, schreibe immer wieder über die Schwächen der Techniken die auf dem Markt sind und habe immer noch nichts gefunden, was mich und meine bescheidene Handwerkerei ersetzt. Ich bin noch weit von einem großen Branchendurchbruch entfernt, aber so langsam begreife ich, dass wenn ich einfach nur weiter gehe und nicht zu sehr aber auch nicht zu wenig auffalle ich eine Chance habe meinen persönlichen Platz zu finden, trotz oder dem Artikel zufolge gerade wegen der „bösen Großen“ der Branche.

1 Kommentar on Angst vor dem großen Fisch

  1. Alena Dausacker // 3. Juli 2013 um 09:32 //

    Ich sehe das so: Wo Frust ist, ist Platz für Veränderungen und Frust – so zumindest mein Eindruck – gibt es in der Branche zuhauf. Wahrscheinlich kann man auf einem so altehrwürdigen Feld wie dem Buchmarkt ohnehin nur mit dem überleben, mit dem man schon immer punkten konnten: Guten, liebevoll hergestellten Büchern.

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