Kindle Worlds

Dass Fanfiction als Genre salon- und feuilletonfähig geworden ist, war mir spätestens zu dem Zeitpunkt klar, als mir ein Exemplar des Erlkönig-Manövers geschenkt wurde. Über andere, sehr sehr erfolgreiche Fanfictions, die zu Selbstläufern geworden sind, sprechen wir an dieser Stelle mal nicht.

Amazon, allsehender Platzhirsch, der es ist, hat das Muster erkannt und bietet jetzt eine Möglichkeit an, Fanfiction zu bestimmten Franchises zu monetarisieren: Kindle Worlds. Die Gleichung dabei ist denkbar simpel: 35% der Einnahmen aus dem Verkauf gehen an den Autor, der Rest wird zwischen Amazon und dem Rechteinhaber aufgeilt. (In welchem Verhältnis, ist dabei unklar). Bemerkenswert ist allerdings die kleine Randbemerkung, dass Amazon dabei auch mit Kurztexten zwischen 5000 und 10 000 Wörtern experimentiert. Diese sollen preislich unter einem US-Dollar liegen, wovon der Autor 20% Tantieme erhält.

Die Reaktionen auf das neue Programm waren von der Seite der amerikanischen Autoren her gemischt. So warnt zum Beispiel Science Fiction-Autor John Scalzi angehende Schriftsteller, die das Angebot nutzen wollen, dass sie ihre Verträge im Auge behalten sollten, da sie viele Rechte direkt abtreten. Die allgemeine Stimmung ist, dass Amazon eine neue Goldgrube gefunden hat und die Rechteinhaber günstig neuen Tie-In-Content bekommen, den sie nach Herzenslust weitervermarkten können. (Und auch sonst ziemlich viel Geld einstreichen, aber das versteht sich ja von selbst.)

Interessant ist das Programm jedoch auch für junge Autoren, die einen anderen Weg als den über Wettbewerbe und Zeitschriften suchen, um an eine erste Publikation zu kommen. Weiter zu beobachten gilt in jedem Fall das mit Kindle Worlds verquickte Pilotprojekt im Bereich Kurzprosa.

 

Siehe auch:

All Your Fanfiction Belong To Us: What The Fuck Is Kindle Worlds? bei terribleminds

Amazon’s Kindle Worlds: Instant Thoughts bei Whatever

Announcing Kindle Worlds

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