„HTML 5 Handbuch“ von S. Münz und C. Gull

0 Flares Twitter 0 Facebook 0 Filament.io 0 Flares ×

HTML 5 ist ein Schlagwort, das seit sieben Jahren durch die Weblandschaft geistert und nun endlich mit der neuen Generation von Browsern Gestalt anzunehmen beginnt. Mit dem neuen Standard soll die MarkUp-Sprache HTML in der multimedialen Landschaft neu belebt werden, nachdem sie seit Jahren durch CSS, AJAX, Flash und Co immer stärker in den Hintergrund gedrängt wurde, dabei basiert das gesamte Internet auf ihr. Auch der neue epub3-Standard verweist auf HTML5 Elemente, die dem eBook eine erweiterte Multimedialität eröffnen soll.

In den letzten Jahren tauchten immer wieder beeindruckende Videos bei YouTube auf, die demonstrierten, was alles mit HTML 5 möglich ist, was fehlte war der Quellcode und die Dokumentation, wie das alles möglich ist. Inzwischen sind nicht nur einige Tutorials im Internet verfügbar – auch gedruckt gibt es HTML5-Dokumentationen, eine der umfassendsten ist das HTML5-Handbuch vom selfhtml-Macher Stefan Münz und Clemens Gull, erschienen bei Franzis.

HTML5 Handbuch

 

HTML5 Handbuch

von Stefan Münz und Clemens Gull

  • Broschiert: 744 Seiten
  • Verlag: Franzis Verlag GmbH
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783645600798
  • ISBN-13: 978-3645600798

35 € im Buchhandel (Amazon)

Zielpublikum

Der Titel des Buches ist leicht problematisch, denn er spricht von HTML5, was vermuten lässt, dass hier ausschließlich Neues behandelt wird, jedoch handelt es sich im Grunde um ein HTML-Handbuch nach dem Stand von HTML5, also enthält es eben nicht nur das Neue, sondern alles, was heutzutage HTML ausmacht. Dadurch ist es perfekt als Nachschlage- und Einstiegswerk für HTML-Anfänger geeignet, es richtet sich jedoch auch an Webentwickler, die HTML bereits beherrschen, und ist auch gut geeignet, um die Kenntnisse aufzufrischen. Will man nur erfahren, was in HTML5 neu ist, ist dieses Werk jedoch zu umfangreich und ungeeignet aufgebaut.

Aufbau und Struktur

Das Buch ist strikt theoretisch aufgebaut und nimmt absichtlich Abstand von allen praxis- und beispielnahen Tutorials. Die Kapitel behandeln die Hauptbereiche von HTML wie Tabellen, Formulare und Grafiken, es geht auch auf Schnittstellen und Nachbarbereiche wie Scripting oder CSS ein und liefert im Anhang eine ausführliche Referenz zu allen Elementen und Attributen.

Innerhalb der Kapitel wird das Muster „Erklärung -> Beispiel -> Referenz“ genutzt, um alle relevanten Tags und Attribute zu behandeln. Das sorgt für Übersichtlichkeit und man kann sich beim Lernen gut darauf einstellen. Leider ist dieses Muster bei gewissen, komplexeren Elementen nicht sauber durchgehalten, wodurch gerade bei den ausgefallenen Elementen Informationen wie „unterstützende Browser“ fehlen. Das stört den Einsteiger wenig, ist aber für die HTML-Kenner ärgerlich, weil gerade diese Elemente spannend sind.

Sehr schade ist auch, dass das Buch keinerlei Betonung auf die neuen HTML5-Elemente legt. Zwar entspricht die einheitliche Strukturierung dem Ziel eines ganz HTML umfassenden Handbuchs, trotzdem wäre es wünschenswert gewesen, die wichtigsten Neuerungen irgendwie hervorzuheben, vielleicht ähnlich der Betonung der neuen Rechtschreibung in Wörterbüchern.

Diese chronologische Auflistung der Tags wird durch die „Background“-Kapitel aufgelockert die interessanten Fakten und Hintergründe zum Standard und der Internettechnik enthalten.

Der Referenzteil ist sehr umfassend und hervorragend zum Nachschlagen geeignet. Es umfasst alle Elemente und Attribute, die in HTML genutzt werden können mit Bedeutung, Notation, Attributen/Elementen und Events, wodurch sie in der Praxis schnell genutzt werden können, ohne in die Volltexterklärung springen zu müssen. Das ist nämlich auch gar nicht möglich, das Stichwortverzeichnis verweist bei Tags bzw. Funktionalitäten nur auf die Referenzen, nicht auf die Volltexterklärung.

Inhalt

Das Buch ist geradezu extrem vollständig. Es enthält alle Elemente und Attribute, die definiert worden sind, unabhängig davon, ob sie von irgendwelchen Browsern interpretiert werden. Das ist einerseits sehr spannend, weil man einen umfassenden Einblick in Ideen und Muster des Standards bekommt, andererseits ist es mehr als deprimierend, wenn man eine lange ersehnte Auszeichnung findet und dann feststellt, dass kein Browser sie unterstützt. Am häufigsten scheitern Modernisierungsideen des eigenen HTML-Codes am Internet Explorer, dabei berücksichtigt das Buch nur noch die modernen Versionen ab ie7.

In den „Background“-Kapiteln und unter den unscheinbaren Zwischenüberschriften „Weitere Hinweise“ finden sich Schätze an Informationen, Erklärungen und Verbindungen, die man selbst als alter Hase noch nicht kannte. Schade ist, dass sich dort oft auch elementare Informationen verstecken, die man benötigt, um gewisse Zusammenhänge und Funktionsweisen überhaupt erst zu begreifen. Leicht verständlich sind gewisse Bereiche nämlich keinesfalls, vor allem dort, wo HTML5 seine Stärken ausspielt und Techniken wie AJAX oder Flash ersetzt oder ihnen stärker entgegenkommt, sind die Erklärungen oft zu knapp, um ohne weitere Recherche genutzt werden zu können.

Fazit: Vollständiges Nachschlagewerk mit Leckerbissen

Ein unglaublich vollständiges und umfassendes Nachschlage- und Auffrischungswerk für alle, die semi- bis professionell HTML nutzen und Wert auf aktuellen und semantischen Code legen. Außerdem ein perfekter Ideengeber, der für die Praxis jedoch mit vertiefender Literatur oder Recherche erweitert werden muss. Das Buch liest sich flüssig, auch wenn gewisse Abschnitte zu kurz gefasst sind um leicht verständlich zu sein. Ist das allgemeine Verständnis jedoch erst einmal erreicht, liefert die Referenz alle technischen Informationen, die man zur Anwendung der Elemente und Attribute benötigt. Jedoch ist das Buch keineswegs ein reines Nachschlagewerk, mit Kapiteln wie der Einleitung, das einen umfassenden, allgemeinen Einstieg in die Webtechnik bietet, und Exkursen ins CSS oder in das veraltete HTML wie auch den „Background“-Kapiteln ist es auch sehr unterhaltsam und aufschlussreich.

Als negativ kann man nur das bescheidene Sachverzeichnis, die fehlende Auszeichnung wirklich neuer Konzepte und die teilweise zu versteckten Leckerbissen an Informationen nennen.

Alles in allem gute vier von fünf Sternen.

Aufmachung

Als Buchsetzer muss ich natürlich auch etwas zur Aufmachung des Buches sagen, obwohl ich dieses Element nicht in die allgemeine Wertung aufnehmen möchte.

Technische Handbücher tragen den Fluch des Veraltetseins vor der Veröffentlichung. Bei diesem Werk hat man das Gefühl, als würden die Herausgeber versuchen diesem Effekt zuvorzukommen, indem Korrekturdurchläufe eingespart werden. Der zweite Absatz des Buches beginnt mit einem grammatisch falschen Satz, im Inhaltsverzeichnis fehlt eine Kapitelzahl und ab Seite 59 wird die schließende Kommentarklammer ( -­-> ) in den Beispielen über mehrere Seiten hinweg fälschlicherweise als Pfeil dargestellt. Die verwendeten Icons (von de.selfhtml.org entliehen) haben eine zu geringe Auflösung und sind daher unscharf, die Abbildungen allgemein sind sehr blass. Alles Kleinigkeiten, die dem Buch seine Qualität nicht absprechen, aber doch etwas ärgerlich sind, wenn man 35€ für das Werk ausgegeben hat – obwohl das Preis-Leistungs-Verhältnis hier ansonsten gut ist.

Die Papierqualität und Bindung sind sehr gut und zumindest auf dem Schreibtisch ist das Buch gut zu handhaben, mit einem Gewicht von 1,3kg ist es ohnehin keine Bettlektüre.

Diese Rezension entstand durch die freundliche Vermittlung von Blog dein Buch.

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*