eBook-Millionäre und Raubkopierer
Die Geschichte der Amanda Hocking machte in den letzten Wochen die große Runde in einschlägigen Medien (vgl. Spiegel Online – Kultur). Eine 26jährige Hobbyautorin, die ihre von Literaturagenten abgelehnten Werke auf eigene Faust als eBooks vertreibt und damit innerhalb von 10 Monaten zur Millionärin wurde.
Ein spannendes und zukunftsweisendes Szenario, könnte man glauben, aber man muss hier zwei Dinge berücksichtigen: Diese Traumkarriere fand in den USA statt, in denen die eBook-Reader deutlich verbreiteter sind als hier in Europa und in denen Themen wie Buchpreisbindung und Urheberrecht deutlich anders gehandhabt werden.
Aus Europa hört man ganz andere Nachrichten, so zum Beispiel diese: Dramatische Ausmaße bei Raubkopien von Büchern im Internet – Stern.de Nachrichten-Ticker.
Sicher kann man mir vorwerfen, ich vergliche hier Äpfel mit Birnen, denn während Amanda Hocking ihre Million mit seichten Vampirromanzen verdient hat, sind es zum größten Teil Fachbücher, die in den illegalen Tauschbörsen gesucht werden. Doch mir geht es bei diesem Vergleich um etwas anderes. Amazon macht in den USA inzwischen einen guten Teil seines Umsatzes mit eBooks, während das Angebot an deutschen Werken des Buchriesen immer noch extrem bescheiden und unsichtbar ausfällt. Bisher wurde oft damit argumentiert, dass sich die eBook-Reader in Deutschland nicht so stark durchgesetzt hätten wie in den USA und das digitale Format daher nicht gefragt wäre. Die hohen Downloadzahlen illegaler Kopien sprechen jedoch eine ganz andere Sprache: Das Format ist durchaus gefragt, der mäßige Erfolg der Reader und der Plattformen wie libri.de muss also mit etwas anderem zusammenhängen.
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