Blogparade: Die “Neuen” – Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche

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Hanna Hartberger und Dennis Schmolk vom Blog „Alles fließt“ haben zur Blogparade aufgerufen. Thema der Aktion sollte der Nachwuchs für die Buchbranche sein und es haben sich erfreulich viele Blogger darüber geäußert. Dass es ein Problem gibt, da scheint man sich einig zu sein, ist nicht wegzudiskutieren. Die Herangehensweise war jedoch so unterschiedlich, dass die Erzählungen, die in der Blogparade zutage kamen, größtenteils symptomatisch gelesen werden können.

Anna-Lena Wingerter ruft zum Beispiel dazu auf, in Azubis das Potenzial für frische Perspektiven zu sehen – die nötige Praxiserfahrung bringen sie dank Ausbildung ja mit, aber sie sind eben auch ein Paar neuer Augen, die noch nicht in gewohnten Mustern sehen. Hier werden die Grundlagen gelobt, die eine Ausbildung im Buchhandel mit sich bringt, dort die Chancen in der Auseinandersetzung mit digitalen Medien betont. Besonders interessant ist auch die Feststellung von Steffen Meier, dass sich die Verlagsbranche plötzlich konkurrierenden Arbeitgebern im Medienbereich gegenüber sehen, die bessere Einstiegschancen bieten:

„Und im Vergleich spielt heutzutage für viele junge Kollegen zwar auch das Geld eine Rolle, mehr aber noch die Innovationsfähigkeit, die “Coolness” der Aufgaben. Und mit der oft rückwärtsgewandten Traditionsrhetorik hat sich die Branche an diesem Punkt sicher keinen Gefallen getan und gilt leider oft als ähnlich sexy wie Schimmelpilz.“

Die Frage ist, warum die Buchbranche so rückwärtsgewandt erscheint – mit ein Grund, warum ich mich zum Beispiel gegen den Versuch, im traditionellen Verlagswesen Fuß zu fassen, entschieden habe. Da wären zum einen die Existenzängste, die die Branche ausgelöst durch den digitalen Strukturwandel mehr und mehr in einen panischen Verteidigungsmodus versetzen. Zum anderen beginnt die Misere bereits im Studium mit der Einstellung mancher Literaturdozenten, die eigenes und innovatives Denken bei Studenten unterbinden und stigmatisieren: Man wird zur Konformität mit bestehenden Strukturen und Meinungen erzogen. Das heißt auch, dass bereits der Nachwuchs, der aus den Universitäten kommt, ohne große Innovationsideen in die Arbeitswelt eintritt.

Aus eigener Erfahrung kann ich noch ein Problem identifizieren: Die Festlegung der Verlagsbranche auf genau eine Art von Angestelltem mit genau einer Art von Lebenslauf. Erstes Praktikum nach dem Grundstudium, zweites Praktikum nach dem Bachelor, gegebenenfalls drittes Praktikum oder Volontariat nach dem Master und dann der erhoffte Einstieg über eine Assistentenstelle. Was ist aber mit den Menschen, die wie ich ausprobiert haben? Die in anderen Arbeitsfeldern geschnuppert haben, bevor sie ein Auge auf das Verlagswesen geworfen haben? Es kann nicht sein, dass man für ein Praktikum in der Branche bereits ein Praktikum in der Branche braucht – das widerspricht dem genuinen Sinn eines Praktikums. Es kann auch nicht sein, dass junge, gut ausgebildete Menschen am Ende ihres Studiums kein Praktikumsplatz in einem Verlag bekommen, weil sie dann zu alt für den Einstieg sind.

Die Buchbranche braucht Nachwuchs – aber sie weiß noch nicht, welchen. Gerade im Verlagswesen ist es wichtig, dass man sich für alternative Lebensentwürfe öffnet, dass man sich Leuten mit unterschiedlichen Erfahrungen und unterschiedlichem Knowhow gegenüber nicht verschließt. So bekommt man frisches Blut, frische Perspektiven und frische Ideen in eine Industrie, die sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch perpetuelle Reproduktion ihrer selbst hat einstauben lassen.

2 Kommentare zu Blogparade: Die “Neuen” – Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche

  1. Alena Dausacker // 11. Juni 2013 um 07:22 //

    Ach ja richtig, das Ding mit der nicht vorhandenen Bezahlung. Das hatte ich irgendwie als bekannt vorausgesetzt. 😉

    Ich denke, dass in der Branche viel Potenzial — und viel Attraktivität — steckt, aber durch das Festhalten an den althergebrachten Abläufen blockt man vieles davon ab.

  2. Tina Giesler // 10. Juni 2013 um 12:46 //

    Was du vergessen hast, ist, dass die zig Praktika unbezahlt und in Vollzeit stattfinden, bis man endlich im Volontariat 50 Wochenstunden für einen Hungerlohn ableisten darf.

    Die Sache mit dem Schimmelpilz verstehe ich voll und ganz, kein Mensch der nach dem Jahr 2000 volljährig geworden ist kann begreifen, wieso der Kopierer im Zentrum der Verlagsarbeit steht oder die von Verlagen gerne genutzten SVS-Module nur 8 Zeichen lange Datensatzbezeichnungen verarbeiten können.

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  1. “Der Buchbranche fehlt der Coolness-Faktor”: Auslese einer Blogparade : πάντα ῥεῖ – Alles fließt.

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